de.alt.soc.knigge ist die internationale deutschsprachige Newsgruppe zum Thema 'Höflichkeit und gutes Benehmen im wirklichen Leben'. Die Gruppe ist unmoderiert.
Die Charta der Gruppe lautet:
!!!1.2.1 Allgemeines
Solltest Du neu im Usenet sein, lies bitte die Texte in news:de.newusers.infos. Spezielle Fragen zum Usenet kannst Du in news:de.newusers.questions stellen.
Wenn Du das Programm 'Outlook Express' als Newsreader verwenden willst, beachte bitte zusätzlich noch http://oe-faq.de
Hinweise zum sinnvollen Zitieren im Usenet findest Du unter http://learn.to/quote. Gerade in einer Gruppe, die sich mit Höflichkeit beschäftigt, sollte es selbstverständlich sein, seinen Postings auch ein angemessenes Äußeres zu geben.
'Meinem unmaßgeblichem Höflichkeitsempfinden nach'
Es ist eines der auch sonst im Usenet sehr beliebten Akronyme (http://www.acronymfinder.com), das allerdings nur hier in news:de.alt.soc.knigge verbreitet ist. Erstmals verwendet wurde von Michael Dahms in Message-ID: <3E353BC1.6CDF3F91@fh-flensburg.de>.
Angelehnt ist es an das fast nur in der Newsgruppe
news:de.etc.sprache.deutsch verwendete 'MUSEN' ('Meinem
unmaßgeblichen Sprachempfinden nach').
Chris Kurbjuhn
Michael Diederich
Hans-Georg Bickel
mailto:knigge@md-d.org
Fragen zum Thema Höflichkeit kann man häufig nicht mit 'Ja' oder 'Nein' oder sonst eindeutig beantworten. Immer kommt es dabei auf die konkrete Situation an und erfordert Fingerspitzengefühl.
Peter Becker schrieb dazu in MID <1043913352.291920@nbgm66x>:
Adolph Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge, geboren am 16.12.1752, studierte Jura und war dann Hofjunker und Assesor der Kriegs- und Domänenkasse Kassel. Knigge schloß sich dem Illuminatenorden an und geriet dadurch beim Adel in Verruf. Er übersetzte einige Schriften von Rousseau und verfasste mehrere Bücher. Sein bekanntestes ist 'Über den Umgang mit Menschen', das dazu führte, daß sein Name bis heute noch als Synonym für Hoeflichkeit und gutes Benehmen gilt.
Es ist im Netz zu finden unter: http://projekt.gutenberg.de/knigge/umgang/umgang.htm
In dieser Gruppe duzen wir uns, den Gepflogenheiten im deutschsprachigen Usenet entsprechend, da hier das Siezen von vielen als unhöflich aufgefaßt wird.
Im wirklichen Leben ist das Thema weit sensibler.
Wird das 'Du' angeboten, so geht die Initiative für gewöhnlich vom Älteren, Höherstehenden oder Vorgesetzten aus.
Zwischen Mann und Frau geht die Initiative stets von der Frau aus. Ist der Mann der Ältere oder Höhergestellte, so kann die Initiative auch von ihm ausgehen, sofern der Alters- oder Hierarchieunterschied nicht zu groß ist. Das gilt entsprechend, wenn die Frau einem älteren Mann das 'Du' anbieten will.
Das 'Du' ablehnen:
Dies ist ein sehr sensibler Bereich. Grundsätzlich sollte man das 'Du' nur anbieten, wenn das Gespür einem sagt, daß es auch angenommen werden wird.
Michael Dahms hat in Message-ID: <b03r4f$l949i$2@ID-65464.news.dfncis.de> dazu geschrieben:
Die Anrede "Fräulein" für unverheiratete Damen jedweden Alters blickt zwar auf eine ca. 800 Jahre alte Tradition zurück, sollte heutzutage aber nicht mehr verwendet werden. Sehr viele Frauen fühlen sich durch den in besagtem Wort enthaltenen Diminutiv diskriminiert: unverheiratete Männer werden schließlich auch nicht mit "Herrlein" angeredet. Frauen jedweden Alters und Familienstandes werden heutzutage höflicherweise mit "Frau Nachname" angesprochen. Wenn jedoch eine Dame Wert auf die Anrede "Fräulein" legt, sollte man diesem Wunsch selbstverständlich nachkommen. Gerade am Beispiel der Ablehnung dieser Anrede bzw. dem Wunsch, so angeredet zu werden, zeigt sich übrigens der stets situative Charakter von Höflichkeit:
Einerseits schreibt Renata Kussack in <1fpgll6.1kvgh1o1i28x5uN%r.kussack@snafu.de>:
Wer geht auf welcher Seite, wenn Mann und Frau gemeinsam in der Öffentlichkeit auftreten?
Grundsätzlich gilt, dass es immer ritterlich und höflich ist, eine Dame zu beschützen. Daher hat der Mann stets die "gefährdete" Seite zu wählen, um die Dame vor etwaigem Unbill zu bewahren. Also geht der Mann auf dem Bürgersteig auf der der Straße zugewandten Seite (Unfälle, Spritzwasser), in öffentlichen
Gebäuden geht er vor, um die Tür aufhalten zu können, Treppen aufwärts geht er hinter, Treppen abwärts vor der Dame, um sie im Falle eines Sturzes auffangen zu können usw.
Eine Gegenmeinung hierzu ist, daß der Herr Treppen aufwärts aus Gründen der Sittsamkeit vorzugehen hat, um nicht in Gefahr zu geraten, der Dame unter den Rock zu blicken. Der Leser dieser FAQ möge selbst entscheiden, welche Vor- bzw. Nachgehensweise ihm einleuchtender erscheint."
Muss man sich in Theater, Konzertsaal, Kino, Oper usw. durch eine Sitzreihe an bereits sitzenden Mitmenschen vorbeizwängen, so wendet man diesen Menschen immer die eigene Gesichtsseite zu, weil es nicht höflich wäre, ihnen den eigenen Hintern zu präsentieren. In der Kirche machen es die meisten Menschen umgekehrt, da dort die Blickrichtung dem Altar gelten sollte. Allerdings vertrat Peter Bruells in <m2isjx0ylc.fsf@rogue.ecce-terram.de> durchaus überzeugend eine gegenteilige Ansicht:
Die Frage, wie man sich verhält, wenn eine anwesende Person niesen muß, wurde wiederholt gestellt. Ignoriert man es? Wünscht man 'Gesundheit'? Oder soll der Niesende sich entschuldigen?
In den Diskussionen hat sich folgende überwiegende Meinung herauskristallisiert:
Torsten Gallus hat in <b01bpf$ski$05$1@news.t-online.com> die Situation beim Niesen wie folgt charakterisiert:
Gelegentlich kommt in der Gruppe die Frage auf, wie Spaghetti korrekt gegessen werden. Nur mit der Gabel? Darf man einen Löffel zur Hilfe nehmen? Oder ist es sogar erlaubt, sie mit Messer und Gabel zu schneiden?
In Italien werden Spaghetti ausschließlich mit der Gabel gegessen.
Renata Kussack in <1fosbri.1krrvax14iuttvN%r.kussack@snafu.de>:
| Das kann der Geübte, indem er Spaghetti durch Drehen am Tellerrand
manierlich auf die Gabel befördert. Bei weniger Geübten ist das
Ergebnis allerdings eher desaströs. |
Die Zuhilfenahme eines Löffels ist also ausschließlich für den ungeübten Esser gedacht (etwa vergleichbar der Bereithaltung von Messer und Gabel in einem Chinarestaurant).
Wird, wie außerhalb Italiens gelegentlich zu beobachten, zu Spaghetti ein Löffel eingedeckt, so kann dieser auch benutzt werden, wenn man sich ohne dessen Hilfe nicht sicher genug fühlt.
Die in Deutschland leider immer noch verbreitete Unsitte, Spaghetti vor dem Verzehr kleinzuschneiden, ist nicht nur wenig manierlich sondern vom ergonomischen Standpunkt aus geradezu idiotisch. Kleingeschnittene Spaghetti sind - egal ob mit Gabel oder Löffel - viel schwieriger zu handhaben als lange.
Trinkgeld ist eine in Betrieben des Hotel- und Gaststättengewerbes dem Bedienungspersonal gewährte zusätzliche freiwillige Vergütung. Aber auch in anderen Betrieben (Taxi, Friseur, Spielbank) kann man mit dem Geben von Trinkgeld seine Zufriedenheit mit der erbrachten Dienstleistung ausdrücken.
Wenn man mit der erbrachten Dienstleistung nicht zufrieden war, braucht (und sollte) man selbstverständlich kein Trinkgeld geben. Die Höhe des Trinkgelds ergibt sich aus der Höhe der für die erbrachte Dienstleistung zu zahlenden Rechnung. Üblich sind in Deutschland bis zu 10 % bzw. eine entsprechende Aufrundung des zu zahlenden Rechnungsbetrages. Man sollte bei der Bemessung der Trinkgeldhöhe eventuell daran denken, daß es in vielen Restaurant- und Hotelbetrieben üblich ist, den Angestellten ein im Verhältnis geringeres Grundgehalt zu zahlen, weil sie als im Service tätige zusätzliche Einnahmen durch Trinkgelder zu erwarten haben.
Das Trinkgeld gibt man nach Erhalt der Rechnung. Entweder bittet man den Dienstleistenden, den Rechnungsbetrag entsprechend aufzurunden, oder man gibt das Trinkgeld nach Begleichen der Rechnung bzw. läßt es auf dem Restauranttisch liegen.
Dem Inhaber oder Geschäftsführer eines Restaurants gibt man üblicherweise kein Trinkgeld. Wenn man aber von den Angestellten dieses Menschen zuvorkommend bedient worden ist, kann man ihm mit einer entsprechenden Bemerkung (z. B.: "Für die Angestellten!") ein Trinkgeld für diese geben, sollte er beispielsweise statt ihrer abkassieren.
Will man auch dem Koch oder der Köchin bzw. den Köchen eines Restaurants für ihre überdurchschnittliche Leistung mit einem Trinkgeld danken, so muß man das dem Servicepersonal gegenüber deutlich zum Ausdruck bringen, da es nur in einigen Restaurants bzw. Hotels üblich ist, das Trinkgeld unter allen Angestellten aufzuteilen.
Bevor man eine Reise ins Ausland unternimmt, sollte man auf keinen Fall vergessen, sich vorher über die im jeweiligen Reiseland üblichen Trinkgeldgewohnheiten sachkundig zu machen. So erntet man in einigen Ländern beispielsweise totales Unverständnis, wenn man um eine Aufrundung der Rechnung bittet. In anderen Ländern wiederum ist das Bezahlen von Trinkgeld geradezu Pflicht, weil die Angestellten ausschließlich von einer extra zu bezahlenden "service charge" bezahlt werden. Schließlich ist es in einigen "all inclusive resorts" verboten, Trinkgeld zu zahlen. Dort sollte man auch nicht versuchen, es den Angestellten aufzudrängen, weil man sie durch eine solche Handlungsweise
in echte Schwierigkeiten bringen könnte.
Auch Handwerkern kann man ein Trinkgeld geben, wenn man mit ihrer Leistung besonders zufrieden war. Ebenso bietet man ihnen, wenn sie sich länger in der eigenen Wohnung/auf dem eigenen Grundstück aufhalten, evtl. Erfrischungsgetränke oder einen kleinen Imbiß an, wenn man mit ihrer Arbeit und ihrem Auftreten zufrieden ist. Diese Form der Höflichkeit kann auch pragmatische Gründe haben. Wie Hans-Georg Bickel in <bcno0j$l2u7u$4@ID-108823.news.dfncis.de> schrieb, motivieren derartige Freundlichkeiten den Handwerker eventuell, "auch kurz nach einer nicht beauftragten Kleinigkeit zu schauen, ohne dies gleich zu berechnen."
Nachfolgend sind die wichtigsten Anredeformen aufgelistet:
Prinz (regierendes Haus) Königliche Hoheit Herzog Durchlaucht Fürst Durchlaucht Graf Graf... Baron Baron... Freiherr Herr von.../ Baron... Namensadel Herr von Rektor (Universität) Magnifizenz/ Herr Professor Dekan (Fakultät) Spectabilität/ Spectabilis/ Herr Professor Professor Herr Professor Doktor Herr Doktor... Kardinal Eminenz
Thomas Grüske hat in Message-ID: <VA.00000c04.1371df7b@corpserve.de> einige Literaturhinweise zum guten Benehmen in den USA gepostet. Er empfiehlt: